contact in Augsburg e.V. | soziales Tagebuch
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Herzlich willkommen im sozialen Tagebuch von contact in Augsburg e.V.

Wir haben keine Geheimnisse, bei uns dürfen Sie sogar unser Tagebuch lesen !
Also herzlich willkommen zu einem Fortsetzungsroman der besonderen Art !

Ich bin Roswitha Kugelmann, die 1.Vorsitzende von contact. Wir haben seit der Verein besteht sehr viel Arbeit geleistet, sowohl im Recycling von Gebrauchtwaren aller Art als auch im sozialen Bereich, denn der Zweck unseres Vereins ist die Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Dieses Tagebuch soll allen Interessierten ein bisschen mehr Einblick in unsere tägliche Arbeit geben.
Für Ihr Interesse bedanke ich mich und freue mich über jede Rückmeldung.



Montag
8 Oktober
2018
Vor einer Woche fragten ein junger Mann und ein junges Mädchen nach mir : "Wir haben gehört, ihr verleiht einen Kleinbus." "Nein, die gehören dem Verein und mit verleihen haben wir letztes Jahr schlechte Erfahrungen gemacht, da hatten wir mehrere Schäden." Sofort war den beiden die Enttäuschung anzusehen. "Was hättet ihr denn vorgehabt ?" "Wir gehören zu Greenpeace Augsburg und wollten an der großen Demo gegen die Abholzung des Hambacher Waldes und gegen Braunkohleabbau teilnehmen. Aber die Zugfahrt kostet einfach zu viel." "Okay, dann könnt ihr den Bus haben. Wer werden die Fahrer sein ?" Ungläubiges Staunen und Erleichtung auf den Gesichtern der beiden - und noch mehr als ich erklärte, dass die Spritkosten unser Verein übernehmen wird, weil sie ja stellvertretend für uns alle fahren und wir Umweltschutz ja auch als Satzungszweck verankert haben neben den sozialen Aufgaben. "Wir haben am Montag noch mal Versammlung, dann können wir sagen, wer mitfährt und wer die Fahrer sein werden." Am Dienstag stand Paul dann da mit den bereits kopierten Führerscheinen. Am Freitag holten sie das Auto weil es ja Samstag um 4 Uhr schon losgehen sollte. Mittags kamen dann die ersten Bilder von Paul, auf denen man sehen konnte, wie sich das Gelände mit Menschen füllte. Aber mit so vielen Teilnehmern hatte niemand gerechnet : mehr als 50.000 - und alles ruhig und friedlich und kein Abfall danach wie bei anderen Großveranstaltungen! Gerade eben hat Paul den Autoschlüssel zurückgebracht und sich mit strahlenden Augen noch einmal bedankt. Es war ein tolles Erlebnis für die jungen Leute.
Bei meiner Freundin Petra Bezen habe ich angefragt und die Genehmigung erhalten, das was sie nach ihrer Teilnahme an der Demo auf ihrer Facebookseite geschrieben hat hier rein zu kopieren :
"Ich bin immer noch total geflasht von den Eindrücken gestern. Hier ein Bericht, wie ich diese Demo erlebte.
Es waren so unglaublich viele Menschen dort, kunterbunt von Baby bis alt, Menschen im Rollstuhl und auf Krücken. Und das bei dem teilweise mehrere Kilometer langen Fußmarsch. Meiner Meinung nach waren das sogar viel mehr als 50.000 Menschen. Ich war schon öfter auf Großveranstaltungen wie Kölner Lichter, Rhein in Flammen usw..Und das gestern kam dem schon sehr nah.
Der Demoplatz war mittags sehr sehr voll und als die Schätzung von 50.000 durchgegeben wurde, waren ja IMMER noch unglaublich viele Menschen auf dem Fußmarsch zur Demo. Ab Horrem waren die S-Bahnen so überfüllt, dass allein von dort nochmal 5000 Menschen ZU FUSS unterwegs zur Demo waren. Die Autobahn am Kerpener Kreuz war zu dem Zeitpunkt auch voll gesperrt. Da niemand mehr mit dem Auto direkt nach Buir gelassen wurde (was auch gut war, weil der Ort voll war) haben die Menschen an den Straßenrändern der Landstraße Richtung Autobahn ÜBERALL geparkt. Dutzende Autos parkten aber auch einfach am Seitenstreifen der Autobahn, als nix mehr ging...viele Menschen sind viele viele Kilometer gelaufen um überhaupt erst den Demoplatz erreichen zu können.
Die Redner waren auch fast alle klasse. Es waren Bauern, Anwohner, einige der Baumhausbewohner, der Organisator der Sonntagsspaziergänge, verschiedene Umweltorganisationen usw.
Auch musikalisch war es total klasse. In meinen hochgeladenen Videos ... könnt ihr ein paar Einblicke gewinnen.
Die Organisatoren der Demo haben sehr gute Arbeit geleistet. Es standen überall Dixiklos, an allen Seiten des Geländes. Der Fussweg wurde von Ordnern sehr gut koordiniert. Die Polizei war sehr gut drauf und absolut locker. Sie haben die positive Stimmung der Menschen gesehen und sie in sich aufgenommen. Es gab sogar Verpflegung gegen Spenden auf dem Platz.
Nirgends flog Müll achtlos weg, es gab Müllsammelstellen, und die meisten Leute nahmen auch ihren Müll sowieso wieder mit. Ich bin zwar sicher, dass es dennoch auf dem Platz nach der Demo noch einiges aufzuräumen gab, aber das sehe ich bei solchen Großveranstaltungen als normal an. Das an das Demogelände angrenzende Rübenfeld blieb unversehrt, obwohl es wirklich unglaublich voll war auf dem Platz.
Ich brauch noch ein zwei Tage um die Eindrücke zu verarbeiten. Es war unglaublich. Wir sind viele, richtig viele und alleine die Petition wurde von fast 1 Million Menschen unterzeichnet. Ich beobachte nun schon seit über 6 Jahren, wie wir immer mehr werden, die den Mund aufmachen und die aufstehen und Gesicht zeigen und etwas tun. Es entsteht an so vielen Ecken soviel Neues. Und auch der Hambacher Wald steht nicht nur für ein "paar zu rettende Bäume". Er steht für all das, was schief läuft. Er steht für unsere Natur, die wir erhalten möchten, dafür, dass Profit nicht über Leben gehen darf, für unseren Umgang mit Umwelt und Tieren und er steht für einen großen Wandel... hin zur Natur und zu einem friedvollen Miteinander, Respekt vor allem Leben, eine saubere Umwelt und einem lebenswerten Leben für unsere Kinder...das betonten auch viele der Redner gestern mehrmals. Es ging hier nicht nur um Kohlegegner, wie es in den Medien fast ausschließlich berichtet wurde."
 

Mittwoch
5 September
2018
Mit Genehmigung von Susanne Seulberger, einer Blumenhändlerin, Flüchtlingshelferin und Freundin aus Karlsruhe kopiere ich hier ihren wunderbaren Text. Besser kann man es nicht sagen !!
"Hallo Bundesregierung,
ich bin zurück aus Chemnitz.
Ich habe dort mit vielen Leuten gesprochen, mit Menschen aus Chemnitz, mit Menschen aus allen anderen Teilen Deutschlands und mit Menschen aus vielen anderen Teilen der Welt.
Mit sogenannten Linken und auch Rechten, aber vor allem mit Menschen die in keine dieser Schubladen passen.
Was alle vereint und was unser Land momentan so aufgebracht macht, was alle vermissen und vor was sich die Bundesregierung massiv drückt.
Ist die Tatsache, der fehlenden Orientierung.
Orientierung an Werten, wie Achtung vor alten und pflegebedürftigen Menschen und denen die sich um sie kümmern.
Achtung vor dem Erziehungsauftrag, in dem ihr Bildung und all das was dazu gehört vernachlässigt.
Achtung vor dem Leben, das durch immer weitere Rüstungsexporte überall gefährdet wird.
Achtung vor den Rechten der Schwächeren, indem ihr eure Diäten erhöht und den Tafeln die Versorgung der Hilfsbeduerftigen überlasst.
Achtung vor den Gesetzen der Menschlichkeit, indem ihr der Afd das Recht überlasst, all die unzufrieden Menschen gegen die Schwächsten unserer Gesellschaft aufzuhetzen.
Nicht nur ihr verliert eure Jobs, wenn nicht endlich mal vernünftig gehandelt wird.
Wir alle verlieren ein Land, das wir lieben und in dem Freiheit und Gleichheit einmal das höchste Gut war.
Wir können noch so viel demonstrieren und uns ehrenamtlich einsetzen, wenn keine vernünftigen Grundvoraussetzungen für alle geschaffen werden, wird ein Großteil der Bevölkerung sich auf merkwürdige Alternativen einlassen.
Also los jetzt....."
 

Samstag
1 September
2018
Samstag und schlechtes Wetter : das heisst mega Zugang bei uns ! Ich helfe in der Warenannahme mit. Ein Mann stellt sich mir vor, er war schon mehrmals auch mit Praktikanten da. Und er findet unser Projekt sehr gut. Und er meint, es hält mich jung : "Ich kenne Sie schon länger und Sie sehen immer gleich aus und sind gut aufgelegt." Da sollte er mich mal heute Abend sehen ...
 

Freitag
31 August
2018
Zubaida kommt mit ihrer Tochter. Ihr Deutsch ist inzwischen so gut, dass die Verständigung auch ohne die Tochter als Dolmetscherin klappen würde, aber sie ist sich immer noch nicht sicher genug. Sie zeigt mir Bilder einer syrischen Schule. Die Kinder sitzen auf dem Boden. Sie fragt, ob contact die Schule mit einer Spende unterstützen könnte, damit Tische und Stühle angeschafft werden könnten und wieder ein Stückchen mehr Normalität in die Kriegsgebiete einziehen kann. Ich sage ihr Hilfe zu, muss sie aber auf nächste Woche vertrösten, denn die Einnahmen im August waren wegen der Hitze nicht so hoch wie benötigt.
Zubaida sieht, dass wir unendlich viele Wäschekörbe mit Haushaltswaren fertig gepackt in der Warenannahme stehen haben, dass aber niemand da ist, um die Sachen in der Haushaltswarenabteilung einzusortieren. "Soll ich dableiben und helfen ?" fragt sie. Ich erkläre ihr, dass man in deutsch sagt : "Dich schickt der Himmel !" und schon fängt sie an, den ersten Wagen rauszufahren.
 

Freitag
24 August
2018
Wir werden oft gefragt, ob wir es noch verantworten können, Pelze zu verkaufen : ja, weil es besser ist, Pelzmäntel, die schon da sind, im Umlauf zu halten für die die Pelze mögen, damit sie sich keine neuen anschaffen. Das ist die ähnliche Debatte wie bei vegan oder Fleischesser. Wer der Überzeugung ist, dass Fleisch noch zum Bestandteil seiner Ernährung gehören soll, der soll das tun. Dazu gehört der Spruch der bei uns im Aufenthaltsraum hängt : "Ich versuche dich so zu nehmen, wie du bist. Bitte versuche du mich so zu nehmen, wie ich bin." Und wir lernen alle noch dazu ...
Und weil wir so viele gebrauchte Pelzmäntel haben, die wir nicht vernichten wollen (manche arbeiten sie in Decken um - vielleicht wird es ja ein extrem kalter Winter) geben wir jedes Jahr 50 % Sommersonderrabatt ! Heute kauft ein deutscher Kunde 5 unserer schönsten Pelzmäntel - und lässt mich dann holen um zu fragen, ob er nicht einen kostenlos haben kann, weil er doch so viele kauft ...
 
 
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