contact in Augsburg e.V. | soziales Tagebuch
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Herzlich willkommen im sozialen Tagebuch von contact in Augsburg e.V.

Wir haben keine Geheimnisse, bei uns dürfen Sie sogar unser Tagebuch lesen !
Also herzlich willkommen zu einem Fortsetzungsroman der besonderen Art !

Ich bin Roswitha Kugelmann, die 1.Vorsitzende von contact. Wir haben seit der Verein besteht sehr viel Arbeit geleistet, sowohl im Recycling von Gebrauchtwaren aller Art als auch im sozialen Bereich, denn der Zweck unseres Vereins ist die Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Dieses Tagebuch soll allen Interessierten ein bisschen mehr Einblick in unsere tägliche Arbeit geben.
Für Ihr Interesse bedanke ich mich und freue mich über jede Rückmeldung.



Freitag
8 Dezember
2017
Etwas früher als in den vorherigen Jahren haben wir es heute schon geschafft, unsere alljährliche Jahreshauptversammlung von contact in Augsburg e.V. abzuhalten. Der Bericht über die Aktivitäten fiel genauso positiv aus wie der Kassenbericht.
In den alle drei Jahre erforderlichen Vorstandswahlen wurden MIke und ich als Vorstände im Amt bestätigt. So konnten wir uns dann ziemlich zeitig dem Thema zuwenden, das mich seit ein paar Monaten umtreibt : die Altersversorgung unserer Mitarbeiter. Die Politiker schafften es, das Thema Altersarmut und mangelnde Versorgung im Alter schön aus dem Wahlkampf herauszuhalten und uns mit Nebenschauplätzen zu beschäftigen. Auch unsere Bundeskanzlerin antwortete auf Nachfrage einer Frau, die Jahrzehnte hier gearbeitet hat und nur eine Rente von 600 Euro zu erwarten hat, nur etwas pikiert : "Aber wir haben doch die Grundsicherung eingeführt." Als die Frau ihr klarzumachen versuchte, dass mit dem bisschen keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich sein (so wie bei Hartz IV), kam nur noch einmal ein ungenügendes "Aber wir haben doch die Grundsicherung eingeführt". Keine Grundrente in Sicht, das bedingungslose Grundeinkommen (so es wirklich machbar sein sollte) in weiter Ferne. Was wird aus unseren Leuten, die viel zu lange Strecken von Arbeitslosigkeit hinter sich haben, aus dem Osten kommen oder ihnen viel zu oft einfach keine Chance am Arbeitsmarkt gegeben wurde ?
Seit Monaten treibt mich das Thema um. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, viele Gespräche geführt und viel im Internet recherchiert. Den derzeitigen Stand meiner Überlegungen konnte ich den Vereinsmitgliedern in der Hauptversammlung präsentieren - noch sehr unvollständig, noch nicht sehr weit gedacht, aber ein erster Ansatz ....
 

Donnerstag
7 Dezember
2017
Gestern Nachmittag hatte ich frei und war am Plätzchenbacken als die Whatsapp von Sellum kam : "Hallo Roswitha, wie geht es dir?" Sellum war einer der ersten Flüchtlinge, die wir näher kennenlernen durften. Kurze Zeit später hatte er einen Arbeitsvertrag bei uns und war eine große Hilfe in der Warenannahme, da er anpackte, mitdachte und ganz viel Arbeitspensum schaffte. Schnell war eine gute Freundschaft entstanden. Als wir uns mit ihm unterhielten, stellte sich heraus, dass er viel lieber sein Philosophiestudium fortsetzen würde, das der Krieg in Syrien für ihn beendete und er auf der Balkanroute den lebensgefährlichen Weg nach Deutschland wagte. Er hatte die Hoffnung, seine Frau und später vielleicht auch seine Eltern hier in Sicherheit bringen zu können. Seit Jahren getrennt von ihnen hat sich bis heute nichts an der schlimmen Situation geändert. Er ist hier und arbeitet bei einer Reinigungsfirma (wo er einfach mehr verdient als bei uns um Geld zu sparen für seine Familie), seine Frau kann nicht ausreisen, weil sie keine Chance hat, die Termine bei der Botschaft in der Türkei wahrzunehmen, weil sie einfach nicht dort hin gelangen kann. So freut er sich über die wenigen Kontakte die er hier hat. Ich freue mich auch über seine Nachricht, sehen wir uns doch viel zu selten, weil er genauso wie wir sechs Tage die Woche arbeitet. Ich schreibe ihm zurück : "Danke, mir geht es gut. Ich bin gerade beim Plätzchenbacken" und ich hänge ein Foto vom fertigen Backblech mit Schokoladeplätzchen an. Sofort kommt seine Antwort : "Oh, kann ich auch welche haben, ich komme morgen, ich habe frei." "Da sind sie aber noch nicht fertig, muss noch Schokolade drauf und bunter Streusel" - und das schaffe ich erst Sonntag wenn ich wieder Zeit habe. "Dann komme ich zwei Mal." Heute war er da und ich konnte ihm wenigstens die fünf Stück übergeben, die ich heute morgen noch extra für ihn fertig gemacht hatte. Wir tranken einen Kaffee zusammen und unterhielten uns. Dann musste ich weiterarbeiten und er war erst mal im Haus verschwunden, die noch begrüßen, die er noch kennt. Als ich wenig später an der Warenannahme vorbeikomme, taue ich meinen Augen kaum : er hat endlich mal einen Tag frei und was macht er : mit Slawa Ware vom Hof reinfahren, den Wagen mit blauen Kisten in die Kleidersortierung fahren und einiges mehr. Naja, der contact-Virus eben ...
 

Mittwoch
6 Dezember
2017
Heute nach dem monatlichen Mitarbeitergespräch können wir gleich mal einen Teil der Schokoladen-Nikoläuse verteilen. Aber bis alle 180 Stück verteilt sind, wird es noch ein Weilchen dauern. Einige Mitarbeiter sind krank, manche kommen erst am Samstag usw. Auch unsere Do-it-Studenten kommen so wie es zwischen ihre Vorlesungen passt.
 

Dienstag
5 Dezember
2017
Besuch von Leuten der Kartei der Not und vom Ellinor-Holland-Haus bei uns im Sozialkaufhaus. Für sie ist es wichtig zu wissen, was Hilfebedürftige bei uns zu welchen Konditionen haben können, denn Menschen, die sich um Hilfe an sie wenden, sind oft nicht nur kurzfristig sondern länger in finanzieller Not. Sie sind genauso wie andere, die einen Blick "hinter die Kulissen" bei uns tun können, erstaunt von dem, was außer dem Verkauf von Secondhand bei uns noch so alles geschieht.
Nach dem Mittag versuche ich meine Büroarbeit zu machen, habe aber vorher schon gesehen, dass der Kleidersortierraum nicht ausreichend besetzt ist. Das heißt dann immer gleich Stau in der Warenannahme. Erst nach 16 Uhr schaffe ich es dann endlich, dort zu helfen. Ich habe gerade die erste l
blaue Kiste geleert als Jonas auch schon da steht und mir erklärt : "Nur eine blaue Kiste : das reicht nicht!" Recht hat er ! Aber bevor ich weitermache, muss ich das erst aufschreiben, weil es einfach schön ist, wie jeder hier mitdenkt und dafür Sorge trägt, dass es läuft. Aber jetzt schnell zurück in den Sortierraum !
 

Montag
4 Dezember
2017
Letzten Donnerstag konnten wir wieder einen Hilfstransport auf den Weg geben. Heute kamen die Bilder : er ist gut in Rumänien angekommen und Remar sagt Danke. Der wievielte war es dieses Jahr ? Und insgesamt ? Wir haben nicht mitgezählt. Wir wissen nur, dass unendlich viel Ware rein passt in so einen leeren 40Tonner. Unter anderem sind es auch immer viele Bananenkartons mit sorgfältig von Alexander eingepackten Gläsern, Tellern, Tassen usw. Keiner sieht die vielen Stunden, die er in seiner kleinen Kammer sitzt und packt und packt. Keiner macht sich Gedanken, wo die vielen Einzelteile hinkommen, die wir damit auch vor dem Wegwerfen bewahren. Und nur die, die die Armut in Rumänien und anderswo kennen, wissen, wie sehr sich die Menschen dort auch darüber freuen, denn sie haben nicht mal dafür das nötige Geld.
 
 
Sozialkaufhaus
Im Tal 8
86179
Augsburg-Haunstetten
0821-8 15 66 15
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