contact in Augsburg e.V. | soziales Tagebuch
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Herzlich willkommen im sozialen Tagebuch von contact in Augsburg e.V.

Wir haben keine Geheimnisse, bei uns dürfen Sie sogar unser Tagebuch lesen !
Also herzlich willkommen zu einem Fortsetzungsroman der besonderen Art !

Ich bin Roswitha Kugelmann, die 1.Vorsitzende von contact. Wir haben seit der Verein besteht sehr viel Arbeit geleistet, sowohl im Recycling von Gebrauchtwaren aller Art als auch im sozialen Bereich, denn der Zweck unseres Vereins ist die Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Dieses Tagebuch soll allen Interessierten ein bisschen mehr Einblick in unsere tägliche Arbeit geben.
Für Ihr Interesse bedanke ich mich und freue mich über jede Rückmeldung.



Freitag
11 August
2017
Turbulente Tage : seit Ferienbeginn arbeiten wir auf Hochtouren, um den Warenzustrom zu bewältigen. Immer wieder springen auch Maja und ich in den verschiedensten Abteilungen mit ein, damit alles bewältigt werden kann.
Heute früh war schon ein Mitarbeiter der Firma Kühl da, um uns entsprechend zu beraten in Bezug auf neue Vorschriften bei der Entsorgung. Er hat festgestellt, dass wir was Mülltrennung und Entsorgung angeht jetzt schon wirklich gut aufgestellt sind und sich nicht viel verbessern lässt. Begeistert war er von Maja's Idee der Selbstherstellung von Einkaufskörben aus Pappkartons und alten Gürteln.
Zabi, der aufgrund der starken Medikamente, die er dringend braucht, vorgestern im Zug eingeschlafen war und seinen Rucksack samt Papieren, Handy und Geld beim Aussteigen vergessen hat, hat bis auf das Handy alles wieder zurück bekommen. Aufatmen - und dafür sorgen, dass er so schnell wie möglich wieder an ein Handy kommt, denn seine Schwester in Afghanistan bemüht sich gerade um die fehlenden Papiere und er sorgt sich sehr, dass sie ihn nicht erreichen kann, wenn sie seine Mitarbeit dabei braucht. Hoffen wir, dass das alles klappt und die Ausländerbehörde dann das Okay zur Ausbildung gibt, wenn die Geburtsurkunde da ist ...
 

Dienstag
18 Juli
2017
Bernd, Ann-Kathrin und ich waren heute eingeladen in der Redaktion von a3 Regional. Das Interview, das wir über unser contact-Dorf-Projekt gegeben haben, wird wohl in einer der nächsten Ausgaben erscheinen. Wir freuen uns darauf. Es ging dabei auch viel um Bauen mit Holz und Dämmen mit Stroh. Gerade beim Nachhausefahren bin ich in Haunstetten und Königsbrunn an Feldern vorbeigefahren, wo heute das Getreide gemäht worden ist. Das Stroh liegt teilweise noch auf dem Feld, teilweise ist es schon zu Rundballen verarbeitet. Für modernen Strohballenhausbau braucht man entweder die rechteckigen Ballen, entweder die kleineren oder die Großballen - das ist Ansichtssache. Da erinnere ich mich immer gern an das Symposium letzten Herbst in Grainau : Strohballenbauer aus ganz Europa, Spezialisten, die für die Bauweise brennen - und ich durfte dabei sein !
 

Dienstag
11 Juli
2017
Die heutige Führung war auch für mich interessant : es war eine größere Gruppe junger Leute, die zur Zeit in Augsburg sind. Sie alle arbeiten selbst in der evangelischen Jugendarbeit. Untergebracht sind sie im Grandhotel. Dort hatten sie gestern eine Führung, die sie auch sehr beeindruckte. Heute Vormittag stand manomama auf dem Programm und für den Nachmittag war ihnen unser Sozialkaufhaus empfohlen worden, was uns natürlich sehr freut. Sie waren sehr aufmerksam dabei und stellten auch gute Zwischenfragen. Auch unser Dorfprojekt war für sie von großem Interesse.
Und noch bisschen Spaß zum Feierabend : Zabi kommt und sagt :"Ich habe fertig." Ich erkläre ihm, dass es korrekt heißen muß : "Ich bin fertig." Ich erzähle ihm aber auch die Geschichte des italienischen Fußballtrainers, als er sich über die Spieler des FC Bayern erregte und am Schluß wütend rief : "Ich habe fertig !" Dann sage ich ihm noch, dass ich morgen nicht da bin und er antwortet ganz cool : "Ich bin da." Dann kann ja nichts schief gehen ...
 

Freitag
7 Juli
2017
Was uns heute besonders gefreut hat : die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH hat 5 unserer Bücher "Augsburg kocht" gekauft. Es spricht sich jetzt doch mehr herum, dass das auch für den gewerblichen Bereich ein sehr schönes Geschenk ist.
Heute habe ich mal wieder in der Warenannahme ausgeholfen. Tiberius meint : "Kannst du nicht da bleiben, es ist mehr Spaß wenn du hier bist." Und zu lachen gab es wirklich immer wieder was. Vor allem, als einer der neuen Helfer meinte : "Die Kisten wachsen irgendwie nach. Kaum ist eine ausgeleert, ist die nächste da." Wem sagt er das ....
 

Donnerstag
6 Juli
2017
Zuhause im Garten noch die abgeschnittenen Heckenrosenzweige wegräumen, mit Maja frühstücken bei contact, dann mit ihr den Zugang an Taschen vom Vortag sortieren, schnell ein paar Kisten Kleiderzugang sortieren, damit schon ein paar Striche auf der Tafel sind bevor unsere Profi-Sortiererinnen kommen und die Sortiertische besetzt sind - soweit alles wie immer. Doch dann beim morgendlichen Durchschauen der eingegangenen Nachrichten ärgere ich mich über einen Fernsehbeitrag des Bayerischen Fernsehens von Mitte Juni. Ich selbst habe die Sendung nicht gesehen, aber mehrere Freunde, die so denken wie ich, regen sich - meiner Meinung nach zu Recht - über den Inhalt der Sendung auf. Da werden Menschen, die es mit unserer Umwelt und dem Frieden nur gut meinen, in die esoterische und radikale Ecke gedrängt. Es scheint heutzutage wirklich einem Verbrechen gleichzukommen, wenn man sich als "Gutmensch" zeigt. Da stimmt doch was nicht in unserer Gesellschaft.
Ich hatte inzwischen eine Besprechung wegen einer großen Abholung und Rettung von vielen Büromöbeln, die sonst im Müll gelandet wären, mache verschiedene kleinere Möbelabholtermine, weil unser Terminplaner krank und Johanna, die ihn vertritt, schon nach Hause gegangen ist, helfe bei der Schuhsortierung, weil auch der Kollege gerade krank ist, erledige noch dies und das und grummle am Nachmittag aber immer noch über den Inhalt der Fernsehsendung. Dann komme ich endlich dazu, bei der IHK noch mal anzurufen wegen Zabi's Ausbildungsvertrags. Und das ist das Gegenstück : ein sehr gutes, informatives Telefongespräch mit der zuständigen Bearbeiterin, die mich in dem Vorhaben bestärkt, einen Flüchtling auszubilden, der seit zwei Jahren in der Unsicherheit lebt, ob er hier bleiben kann, obwohl sein Fall - wie mir immer wieder von mehreren Seiten bestätigt wird, zu den Härtefällen gehört. Ich spüre, dass auch sie es nicht gut findet, dass zuerst von schneller Integration und Ausbildung gesprochen wurde, den Unternehmern versprochen wurde, dass die auszubildenden Flüchtlinge wenigstens so lange bleiben dürfen wie ihre Ausbildung dauert plus zwei Jahre, dass das alles jetzt nicht mehr gelten soll und zudem Afghanistan plötzlich ein sicheres Drittland sein soll. Sie gibt mir noch eine ganze Reihe wertvoller Informationen bezüglich der geplanten Ausbildung (vor allem die Zusage, dass von Seiten der IHK auch noch Nachhilfe in deutscher Sprache geleistet wird soweit es da noch fehlt, denn Zabi war in seiner Heimat genau zwei Jahre in der Schule bevor er seine jahrelange Flucht antrat ), schickt mir sofort die notwendigen Unterlagen per Email zu.
Mir geht es nach dem Telefongespräch wesentlich besser als davor, aber das Gefühl, dass da wirklich vieles falsch läuft in der Politik unseres Landes verstärkt sich noch. Nein, ich wollte absolut nicht politisch tätig werden, aber was bleibt denn dann noch, wenn unsere Lebensumstände nicht ständig noch schlimmer werden sollen ? Was tun gegen immer größer werdende Altersarmut, gegen Wohnungsnot, immer schlechter werdende Lebensmittel, gegen immer größere - aber subventionierte - Fehler in der Landwirtschaft, gegen Unmengen von weggeworfenen Lebensmittel und dabei zunehmender Not von vielen, die nur noch leben können mit Zweit- und Drittjob ( und Politikern, die das auch noch zynisch kommentieren wie gerade geschehen .... ) ?
 
 
Sozialkaufhaus
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