contact in Augsburg e.V. | soziales Tagebuch
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Samstag
19 Januar
2019
Es ist Winter, es ist Erkältungs- und Grippezeit und zusätzlich haben wir noch Mitarbeiter mit schwereren längerfristigen Erkrankungen. Da den Warenkreislauf aufrecht zu erhalten, ist ein hartes Stück Arbeit. Wenn an den beiden Boutiqueverkaufsstellen Personal fehlt, muss die Bücherabteiung und die Kleidersortierung einspringen. Das heisst aber weniger sortierte Bücher, wo sowieso schon jemand fehlt und sich die Kisten in der Vorsortierung stapeln und weniger sortierte Kleidung, die immer so viel Zugang hat, dass jeder Sortierplatz besetzt sein muss, damit es umgeht. An den Kassen fehlten heute zwei Kassenkräfte, sodass Claudia und Barbara nicht in der Haushaltsabteilung mithelfen konnten. Sobald aber aus der Warenannahme zu wenig raus geht in die Haushaltsabteilung, gibt es dort dann schnell einen Stau. Obwohl wir noch einen zusätzlichen freiwilligen Helfer hatten, konnte so nicht das verarbeitet werden, was rein kam sodass am Abend alle Einkaufswägen voller Ware waren und sich die Wägen bis zur Türe stauten, die nur mit Mühe geschlossen werden konnte. Da brauchen wir am Montag alle verfügbaren Kräfte um diesen Knoten möglichst schnell auflösen zu können und wieder normal arbeiten zu können. Dass auch die Mitarbeiterin im B-Zelt dringend noch einen zusätzlichen Helfer brauchen wird, ist eh klar, denn die Mädchen im Sortierraum haben trotz Mithilfe in der Boutique mit Volldampf gearbeitet. Dort konnte noch eine neue Mitarbeiterin angelernt werden, die auch mal wieder eine von denen ist, die ganz dringend einen Job brauchen. Die Zahl der Anfragen wird nicht weniger und es sind wirklich Härtefälle dabei, obwohl immer wieder von Vollbeschäftigung im Land gesprochen wird. Vollbeschäftigung ja, aber nur für die, die genau ins Raster passen. Wehe denen, die da ein bisschen daneben liegen.
 

Freitag
18 Januar
2019
Neueste Investition : eine Schneefräse. Vom Dach auf der Ostseite ist bei dem Tauwetter der letzten Tage eine solche Menge an Schnee abgerutscht, dass der Fendt-Bulldog das auch nicht mehr geschafft hat, dort durchzukommen und wir deshalb an die auf der Ostseite geparkten Autos nicht mehr rangekommen sind. In den letzten Jahren war es nie so viel auf einmal oder gleich wieder genug Plusgrade dass wir das Problem bisher nicht hatten. Zusätzlicher Vorteil der Anschaffung : neben Maja und mir kann jetzt bei den nächsten Räumaktionen auch noch ein Dritter aktiv werden - zusätzlich zu denen die die Schneeschaufel in die Hand nehmen. Da muss ich noch den Eintrag vom 10. Januar korrigieren : Blondie und 5 ! Frauen ! Wie ich erst am nächsten Tag erfahren habe, war auch Helga eine der Frauen, die zur Schaufel gegriffen hatte. Unsere anderen Mitarbeiter kamen erst kurz vor 10 Uhr, haben ihre Autos auf die inzwischen geräumten Parkplätze gestellt und sind im Haus verschwunden. Nur Cosmin und Artur haben vor ihren Arbeitsbereichen noch geschaufelt, wollten offensichtlich sich keine nassen Füsse holen ...
 

Donnerstag
17 Januar
2019
Von dem was wir an Lebensmitteln derzeit zu viel bekommen, können wir nicht nur den Foodsharing-Kühlschrank und -Schrank immer wieder bestücken, sondern auch einen Teil an Dani weitergeben für seine Roma-Familien. Heute sind ganz viele Packungen Haferkekse gekommen : "das ganze Auto ist voll" - okay, es war nicht das ganze Auto, aber es waren doch etliche große Kartons, die wir zurücklegen und auf Dani warten.
Es kommt später einer unserer freiwilligen Helfer auf mich zu und fragt ganz vorsichtig, ob er einen kleinen Teil dieser Lebensmittelüberschüsse mitnehmen darf zu einer sehr armen deutschen Familie, die in Kissing in einem kleinen Häuschen wohnt (Heizung?) und nicht genug zu essen hat. Dass es Armut auch um uns herum gibt, ist uns voll bewusst und wir versuchen auch da zu helfen wo es geht. Gut ist in dem Fall, dass es keine Einmalhilfe sein wird, sondern dass unser Mitarbeiter sich weiterhin darum kümmern wird, dass die Leute so gut es eben geht versorgt sind. Jedem Menschen einen Menschen - immer öfter fällt mir in diesen Tagen der Spruch meines Kölner Professors ein ...
 

Dienstag
15 Januar
2019
So kann Hilfe auch aussehen : eine unserer freiwilligen Helferinnen spricht mich heute auf die Sendung in der ARD vom Sonntag an und fragt, ob ich über Jenny Rasche und ihre Hilfe für die Roma-Kinder in und um Sibiu mehr weiß und vor allem ob ich weiß, ob das was sie macht, wirklich seriös und nachhaltig ist, weil sie gern eine dieser Patenschaften für eines der Kinder machen möchte. Ich kann ihr bestätigen, daß wir letztes Jahr schon direkten Kontakt zu Jenny hatten, einen unserer Hilfstransporte hingeschickt haben und Gabi - einer unserer Fahrer, der aus einem Ort direkt bei Sibiu stammt - schon bei ihr war und sich von ihrer guten Arbeit überzeugen konnte.
Sie äußert ähnliche Zweifel wie viele Spender, die sich oft einfach nicht sicher sind, ob ihre Hilfe (und ihr Geld, das oft ja auch nicht im Überfluss vorhanden ist) wirklich gut ankommen. Da kann ich sie in dem Fall wirklich beruhigen. Und dann kommt der Hammer : "Weißt du, Roswitha, ich spare hier so viel, was ich an Lebensmitteln nicht kaufen brauche, weil es bei contact durch das Lebensmittelretten einfach da ist, dass ich mir gedacht habe, dafür kann ich leicht den Betrag für eine Patenschaft monatlich aufbringen !" So schön kann gegenseitige Hilfe sein !
 

Montag
14 Januar
2019
Mike übernimmt für mich das Zusperren am Abend sodass ich rechtzeitig wegkomme. Die Grünen von Königsbrunn zeigen im Rahmen ihrer Reihe "grünes Kino" den Film "Klimate warriors", ein guter und wichtiger Umweltfilm. Diesmal ist das Kino - im Gegensatz zu weiter zurückliegenden Veranstaltungen dieser Art - erstaunlich gut gefüllt. Das Thema Umweltschutz und unser dringend notwendiger Einsatz dafür scheint wirklich inzwischen bei der Bevölkerung anzukommen. Ich freue mich vor allem, Margot mal wieder zu treffen, die mir ganz stolz von den Wildbienen erzählt, die auf ihrem Balkon heimisch geworden sind.
 
 
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